Warum ausgerechnet ein Ami
Eigentlich wollte Danni einfach einen Camper. Ruud hatte die Bedingung im Kopf: Weil wir damals in den Niederlanden gemeldet waren und die Kfz-Steuer sich dort nach dem Gewicht des Fahrzeugs richtet, ist sie für schwere Fahrzeuge ein Vielfaches dessen, was in Deutschland fällig wäre, und für einen Camper erst recht. Die Lösung war ein Oldtimer: Ein Fahrzeug von mindestens 40 Jahren ist dort sogar steuerfrei. Und weil Ruud amerikanische Fahrzeuge liebt, zeigte er Danni vor allem Amis.
Irgendwann sah Danni auf Marktplaats genau diesen Camper. Sie machte schnell einen Termin, am nächsten Tag fuhren wir zum Ansehen, und wir zahlten direkt an. Das war unser Glück. Ein weiterer Interessent sollte nach uns kommen, aber weil wir angezahlt hatten, konnte der Verkäufer uns nicht mehr absagen. Kurz darauf bekam Danni Anrufe und SMS, ob sie den Camper wirklich haben wolle. Unsere Vermutung: Der andere Interessent wollte ihn unbedingt und hatte mehr geboten. Ohne die Anzahlung wäre Oldie wohl weg gewesen.

Was ein HopCap ist
Der Chevrolet G30 ist ein Eintonner-Van von General Motors, in den USA über Jahre die klassische Basis für kompakte Wohnmobile. Auf diesem Fahrgestell sitzt unser Aufbau mit dem Namen HopCap. Was genau hinter dem Namen HopCap steckt, konnten wir bisher nicht herausfinden, das verrät vermutlich nur das Typenschild oder der Vorbesitzer. Für uns ist es schlicht Oldie, benannt nach seinem Alter.
Was Ruud umgebaut hat
Ruud macht alles am Chevy selbst. Er schraubt seit seiner Jugend an Autos, und das merkt man Oldie an vielen Stellen an. Seit er bei uns steht, ist einiges passiert:
- Gastank für Kochen und Heizung erneuert und vergrößert
- Lattenrost in den Alkoven eingebaut
- Solar aufs Dach
- Von normaler Batterie auf Lithium umgestellt, mit Wechselrichter
- Neuer Ofen statt des über 40 Jahre alten, ausgedienten Ofens
- Fernseher eingebaut
- Klimaanlage raus, weil zu stromhungrig, kaum genutzt und ohnehin defekt, dafür ein Vechline-Ventilator


Was wir lieben, was nervt
Was wir an Oldie lieben, ist die Einteilung von innen. Sie ist großzügig, man hat richtig Platz. Was im Alltag nervt, ist der hohe Verbrauch. Ein alter Ami bleibt eben ein alter Ami.
Unsere abenteuerlichste Fahrt nach Süden
Einmal im Jahr müssen wir mit Oldie zum TÜV in die Niederlande, dort heißt das APK. Nach einem solchen Termin brachen wir Richtung Süden auf. Bis kurz vor Zwolle lief alles, dann ging er aus. Und dann immer wieder. Wir kamen über die Grenze, und kurz dahinter ging er erneut aus, es war abends und dunkel. Der ADAC schleppte uns ab.
Am nächsten Tag tauschte Ruud ein Modul, das er zuvor schon einmal ersetzt hatte, weil wir es für defekt hielten. Plötzlich lief Oldie wieder, und wir fuhren weiter, Richtung Europa-Park und Rulantica.
Unterwegs merkten wir: Sobald es anstrengend wurde, am Berg oder im Stau, ging er wieder aus. Wir mussten immer wieder rechts ranfahren, ihn abkühlen lassen, dann lief er weiter. Den steilen Berg bei Heiligenroth schafften wir nur mit letzter Kraft, danach konnten wir uns gerade noch auf einen Lkw-Parkplatz ausrollen lassen. Weiter ging nichts.
Das Hin und Her mit dem Pannendienst
Dann begann die Fehlersuche von vorn. Wir riefen wieder den ADAC. Danni hat eine ADAC-Plus-Mitgliedschaft, aber der Camper ist auf Ruuds Eltern zugelassen, und deshalb wollte man zunächst nicht helfen. Es gab ein heftiges Hin und Her und viele Telefonate. Abends hieß es vom Abschlepper, man hole uns ab, aber als Selbstzahler-Auftrag. Wir reichten eine Beschwerde ein. Spät am Abend kam die Info: Es sei ein Fehler gewesen, man wolle helfen, am nächsten Tag komme der ADAC-Abschlepper. Wir übernachteten auf dem Parkplatz.
Am nächsten Morgen ging das Telefonieren weiter, und Ruud suchte unermüdlich. Eine Werkstatt zu finden war fast unmöglich, alle sagten, mit Chevys kennen sie sich nicht aus. Sogar eine aus Film und Fernsehen bekannte Werkstatt wollte uns nicht helfen. Immerhin galten wir als Prioritätsfall, weil ein Kind dabei war.
Irgendwann fand Ruud die Ursache: Der Vakuumschlauch vom Getriebe war lose. Er klemmte ihn wieder fest, und siehe da, es lief wieder. Also fuhren wir weiter und kamen schließlich an einem Stellplatz bei einem Caravan-Händler in der Nähe vom Europa-Park an.
Damit war es aber nicht vorbei. Unterwegs hatten wir gemerkt, dass Oldie fast doppelt so viel Gas verbraucht wie sonst. Nach einem Tag im Europa-Park saß Ruud den ganzen nächsten Tag am Mixer und stellte ihn neu ein. Dabei fiel ihm noch etwas auf: Der Choke schien falsch herum eingebaut, drin war an und draußen war aus. Irgendwann sagte er, es gehe weiter, und wir machten uns auf den Weg nach Frankreich. Der Verbrauch blieb trotzdem hoch. Wir rechneten nach und stellten fest: In diesem Zustand war Fahren mit Benzin günstiger als mit Gas. Also fuhren wir den Rest der Strecke auf Benzin.
Wer hinter Oldie steckt
Wie wir leben, reisen und unterwegs zurechtkommen, das erzählen wir auf unserer Über-uns-Seite.
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