Warum ausgerechnet ein Ami?
Eigentlich wollte Danni einfach einen Camper. Ruud hatte dabei eine ziemlich klare Vorstellung. Wir lebten damals in den Niederlanden und bei einem schweren Camper spielte auch die dortige Kfz-Steuer eine Rolle. Deshalb schauten wir uns unter anderem ältere Fahrzeuge an.
Ruud mag amerikanische Fahrzeuge ohnehin und zeigte Danni immer wieder Amis. Irgendwann entdeckte sie 2021 auf Marktplaats genau diesen Camper. Sie machte kurzfristig einen Termin und am nächsten Tag fuhren wir hin.
Wir zahlten direkt an. Ein weiterer Interessent sollte nach uns kommen und kurz darauf bekam Danni mehrere Anrufe und SMS mit der Frage, ob wir den Camper wirklich haben wollten. Unsere Vermutung war damals, dass der andere Interessent ebenfalls großes Interesse hatte und möglicherweise mehr geboten hatte. Durch unsere Anzahlung war der Verkauf an uns bereits vereinbart.
Was bedeutet HopCap?
Unser Camper basiert auf einem Chevrolet G30 von 1979. Auf dem Alkoven steht groß die Bezeichnung „HopCap“. Was genau dahintersteckt, wissen wir bis heute nicht. Ob HopCap der Hersteller des Aufbaus, eine Modellbezeichnung oder etwas anderes war, konnten wir bisher nicht eindeutig herausfinden.
Im Alltag spielt der Name für uns ohnehin kaum eine Rolle. Wir nennen ihn meistens Oldie, den Chevy oder einfach unseren Camper.
Warum wir den Innenraum so mögen
Was wir an Oldie besonders mögen, ist das Raumgefühl. Viele neuere Camper wirken auf uns sehr kompakt und gedrängt. Unser Chevy ist innen ganz anders aufgebaut.
Durch den Wohnbereich führt ein langer Gang. Auf der einen Seite befinden sich Kühlschrank und Sitzgruppe, auf der anderen die Küche und das kleine Bad mit Toilette und Waschbecken. Hinten gibt es eine breite Bank, die als Bett genutzt und noch weiter ausgezogen werden kann. Auch aus der Sitzgruppe mit Tisch lässt sich eine weitere Schlafmöglichkeit machen. Dazu kommt der Alkoven.
Der Innenraum ist überwiegend weiß und dadurch schön hell. Vieles ist noch alt, aber funktionell. Inzwischen merkt man allerdings deutlich, dass der Camper mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat.
Was Ruud bisher umgebaut hat
Ruud macht fast alles am Chevy selbst. Er schraubt seit seiner Jugend an Autos und seit Oldie bei uns ist, wurde bereits einiges verändert und erneuert.
- Gastank für Heizung und Kochen erneuert und vergrößert
- Lattenrost im Alkoven eingebaut
- 450 Watt Solar fest auf dem Dach installiert
- Stromversorgung auf eine Victron LiFePO4 12,8 V / 300 Ah NG Batterie umgestellt
- 2.000-Watt-Victron-Wechselrichter eingebaut
- Zusätzlich nutzen wir ein faltbares 220-Watt-Solarmodul von Offgridtec
- Den alten Gasofen von 1979 durch einen neueren Thetford ersetzt
- Fernseher eingebaut
- Die defekte und sehr stromhungrige Klimaanlage entfernt und durch einen Vechline-Dachventilator ersetzt
Unsere Technik im Chevy
Gerade bei der Stromversorgung hat sich seit dem Kauf einiges verändert. Aktuell haben wir eine Victron LiFePO4-Batterie mit 300 Ah, einen Victron-Wechselrichter mit 2.000 Watt und insgesamt 450 Watt fest installierte Solarmodule auf dem Dach.
Zusätzlich haben wir ein faltbares 220-Watt-Solarmodul von Offgridtec. Das nutzen wir normalerweise, wenn wir zusätzliche Solarleistung brauchen. Aktuell lädt es allerdings nicht mehr und wir haben es reklamiert.
Auch die alte Klimaanlage haben wir ausgebaut. Sie funktionierte nicht mehr und ihr Stromverbrauch hätte ohnehin nicht gut zu unserem heutigen System gepasst. Stattdessen haben wir einen Dachventilator von Vechline eingebaut. Mit dem Ventilator selbst kommen wir grundsätzlich zurecht, die Reinigung des Gitters ist allerdings umständlicher als gedacht.
Unsere Küche
Die Küche besteht aus Spüle, Herd, Kühlschrank und Backofen. Ursprünglich war noch der alte Gasofen von 1979 eingebaut. Den haben wir inzwischen ersetzt.
Heute haben wir einen Thetford mit Gasbackofen, Grill und einer zusätzlichen Elektrokochplatte. Die Elektroplatte war bereits beim Kauf defekt. Mit dem Gerät haben wir inzwischen einige Erfahrungen gesammelt, darunter auch mit Beschriftung, Garantie und Kulanz.
Unsere Erfahrung mit dem Thetford K1520 →
Wie fährt sich ein Chevy von 1979?
Oldie ist langsam, laut und ruckelt ziemlich. Gemütlich ist das Fahren trotzdem – zumindest solange alles funktioniert.
Normalerweise fahren wir mit LPG. Wenn es bergig wird oder der Motor mehr Kraft braucht, schalten wir auf Benzin um.
Nach einigen Pannen fährt inzwischen allerdings auch immer ein bisschen die Sorge mit, dass wieder etwas passieren könnte. Vor allem nach unserer letzten Fahrt Richtung Spanien hatte Danni irgendwann ständig im Hinterkopf, dass Oldie wieder stehen bleiben könnte.
Auf der anderen Seite ist genau dieser Camper etwas Besonderes. Wir werden unterwegs regelmäßig auf ihn angesprochen. Menschen bleiben stehen, interessieren sich für ihn und fotografieren ihn. Einen Camper wie Oldie sieht man heute nicht mehr besonders oft.
Irgendwann einmal komplett neu
Oldie ist von 1979 und inzwischen gibt es Stellen, bei denen kleine Reparaturen auf Dauer nicht mehr reichen werden. Besonders das Dach macht uns Probleme. Irgendwelche Vorbesitzer haben dort Platten angebracht und verschraubt. An einigen dieser Stellen ist das Dach inzwischen undicht und bei Regen kommt Wasser hinein.
Deshalb haben wir vor, den Camper irgendwann einmal komplett auseinanderzunehmen und von Grund auf neu aufzubauen. Wände, Dach und Boden sollen dann erneuert werden, genauso wie die alten Stromleitungen.
Die grundsätzliche Raumaufteilung möchten wir dabei gerne behalten. Genau dieses offene Raumgefühl ist schließlich einer der Gründe, warum wir Oldie so mögen.
Unsere abenteuerlichste Fahrt nach Süden
Einmal im Jahr müssen wir mit Oldie zur APK in die Niederlande. Nach einem solchen Termin brachen wir Richtung Süden auf. Bis kurz vor Zwolle lief alles, dann ging er aus. Und dann immer wieder.
Wir schafften es noch über die Grenze nach Deutschland. Kurz dahinter ging er erneut aus. Es war inzwischen Abend und dunkel und schließlich wurden wir abgeschleppt.
Am nächsten Tag tauschte Ruud ein Modul, das er zuvor schon einmal ersetzt hatte, weil wir es für defekt hielten. Plötzlich lief Oldie wieder. Also fuhren wir weiter Richtung Europa-Park und Rulantica.
Unterwegs merkten wir allerdings schnell, dass das Problem nicht verschwunden war. Sobald es anstrengend wurde, etwa am Berg oder im Stau, ging Oldie wieder aus. Wir mussten immer wieder rechts ranfahren, ihn abkühlen lassen und konnten danach eine Weile weiterfahren.
Den steilen Berg bei Heiligenroth schafften wir nur mit letzter Kraft. Danach konnten wir uns gerade noch auf einen Lkw-Parkplatz ausrollen lassen. Weiter ging erst einmal nichts.
Das Hin und Her mit dem Pannendienst
Wir riefen erneut den ADAC. Danni hatte eine ADAC-Plus-Mitgliedschaft, der Camper war allerdings auf Ruuds Eltern zugelassen. Deshalb gab es zunächst Unklarheiten darüber, ob die Pannenhilfe greift.
Es folgten viele Telefonate. Am Abend sollte schließlich ein Abschlepper kommen, zunächst als Selbstzahler-Auftrag. Wir legten Beschwerde ein. Später bekamen wir die Rückmeldung, dass es sich um einen Fehler gehandelt habe und am nächsten Tag Hilfe kommen sollte. Die Nacht verbrachten wir deshalb auf dem Parkplatz.
Am nächsten Morgen telefonierten wir weiter und Ruud suchte gleichzeitig nach dem Fehler. Eine Werkstatt zu finden war schwierig, weil mehrere Werkstätten sagten, dass sie sich mit einem so alten Chevrolet nicht auskennen.
Schließlich fand Ruud selbst eine mögliche Ursache: Der Vakuumschlauch vom Getriebe war lose. Er befestigte ihn wieder und Oldie lief. Wir fuhren weiter und kamen schließlich an einem Stellplatz bei einem Caravan-Händler in der Nähe des Europa-Parks an.
Ganz erledigt war die Sache damit noch nicht. Unterwegs hatten wir bemerkt, dass Oldie fast doppelt so viel LPG verbrauchte wie sonst. Nach unserem Tag im Europa-Park beschäftigte sich Ruud deshalb den nächsten Tag mit dem Mixer und stellte ihn neu ein.
Dabei fiel ihm noch etwas Merkwürdiges auf: Der Choke schien falsch herum eingebaut zu sein. Drin war an und draußen war aus.
Irgendwann entschieden wir, weiterzufahren und machten uns auf den Weg nach Frankreich. Der LPG-Verbrauch blieb trotzdem hoch. Wir rechneten nach und stellten fest, dass in diesem Zustand das Fahren mit Benzin günstiger war. Deshalb fuhren wir den Rest der Strecke auf Benzin.
Würden wir Oldie wieder kaufen?
Ja. Er ist langsam, laut, alt und es gibt immer wieder etwas zu reparieren. In den nächsten Jahren wartet wahrscheinlich sogar ein kompletter Neuaufbau auf uns.
Trotzdem ist er schon toll. Wir mögen den Platz, die ungewöhnliche Raumaufteilung und das Gefühl, in einem Camper unterwegs zu sein, den man nicht an jeder Ecke sieht. Nach allem, was inzwischen mit ihm war, gehört Oldie einfach zu Family Nomads.
Wer mit Oldie unterwegs ist
Wir sind Danni, Ruud, Freya und Fozzy. Seit Februar 2024 leben und reisen wir mit unserem Chevy durch Europa.
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