Wichtiger Hinweis vorab
Diese Seite dient ausschließlich der allgemeinen Orientierung und beschreibt teilweise unseren eigenen Weg. Sie ist keine Steuer-, Rechts- oder Unternehmensberatung. Welche steuerlichen Folgen eine Auswanderung, Wohnsitzabmeldung, dauerhafte Reise oder Unternehmensstruktur für dich hat, hängt von deiner persönlichen Situation und den beteiligten Ländern ab. Lass deine konkrete Situation deshalb vor wichtigen Entscheidungen fachlich prüfen.
Wer über Auswandern oder ein Leben ohne festen Wohnsitz nachdenkt, stößt irgendwann fast zwangsläufig auf dieselbe Frage: Wo zahle ich dann eigentlich Steuern?
Die Antwort klingt im Internet häufig erstaunlich einfach. Wohnsitz abmelden, weniger als eine bestimmte Zahl von Tagen irgendwo verbringen, eine Firma im Ausland gründen – und schon scheint die Sache erledigt.
Genau hier würden wir vorsichtig werden.
Steuern lassen sich nicht allein aus einer Meldeadresse, einer Staatsangehörigkeit oder dem Sitz einer Firma ableiten. Entscheidend ist das Gesamtbild: Wo lebst du tatsächlich? Welche Verbindungen bestehen weiter? Woher kommen deine Einkünfte? Gibt es Immobilien, Beteiligungen oder ein Unternehmen? In welchen Ländern hältst du dich auf?
Abmeldung und Steuerpflicht sind zwei verschiedene Fragen
Ein besonders häufiger Denkfehler entsteht rund um die Wohnsitzabmeldung. Die melderechtliche Abmeldung beantwortet zunächst die Frage, ob du bei einer Meldebehörde registriert bist.
Das Steuerrecht arbeitet zusätzlich mit eigenen Begriffen wie Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt. Deshalb solltest du aus einer erfolgten Abmeldung nicht automatisch ableiten, dass damit jede deutsche Steuerpflicht endet.
Umgekehrt bedeutet das Leben im Ausland auch nicht automatisch, dass Deutschland überhaupt keine Rolle mehr spielt. Bestimmte Einkünfte aus Deutschland können beispielsweise auch dann noch steuerlich relevant sein, wenn dort kein Wohnsitz und kein gewöhnlicher Aufenthalt mehr besteht.
Die wichtigere Frage lautet deshalb nicht nur: „Wo bin ich gemeldet?“
Vor einer Auswanderung solltest du klären, wo du steuerlich ansässig sein kannst, welche Einkünfte in welchen Ländern relevant sind und ob durch deinen Wegzug besondere steuerliche Folgen entstehen.
Was du vor der Auswanderung steuerlich klären solltest
Du musst dafür nicht selbst zum internationalen Steuerexperten werden. Es hilft aber enorm, die richtigen Fragen zu kennen, bevor du mit einem Fachberater sprichst.
- Wo werde ich künftig tatsächlich leben? Ein klarer Umzug in ein anderes Land ist eine andere Ausgangslage als dauerhaftes Reisen durch viele Staaten.
- Bleibt irgendwo eine Wohnung verfügbar? Die tatsächlichen Lebensumstände können steuerlich wichtiger sein als die reine Anmeldung.
- Wo halte ich mich im Laufe des Jahres auf? Aufenthaltsdauer kann eine Rolle spielen, ist aber nicht das einzige Kriterium.
- Woher stammen meine Einkünfte? Arbeitnehmer, Selbstständige, Unternehmer, Vermieter und Kapitalanleger können sehr unterschiedliche Themen haben.
- Bleiben Einkünfte oder Vermögen in Deutschland zurück? Auch nach einem Wegzug können bestimmte Verbindungen steuerlich relevant bleiben.
- Besitzt du Unternehmensbeteiligungen? Bei bestimmten Beteiligungen können beim Wegzug besondere steuerliche Regelungen relevant werden.
- Gibt es ein Unternehmen oder soll eines gegründet werden? Dann kommen zusätzlich Fragen rund um Unternehmenssitz, Geschäftsleitung und persönliche Besteuerung hinzu.
- Sind mehrere Staaten beteiligt? Dann können nationale Steuerregeln und gegebenenfalls Doppelbesteuerungsabkommen zusammenspielen.
Genau diese Mischung macht das Thema so individuell. Zwei Menschen können beide „aus Deutschland ausgewandert“ sein und steuerlich trotzdem völlig unterschiedliche Situationen haben.
Und was ist, wenn du gar nicht in ein bestimmtes Land auswanderst?
Für Menschen, die nach ihrer Abmeldung dauerhaft reisen, wird die Sache noch einmal interessanter. Es gibt dann möglicherweise keinen klassischen Wechsel von Land A nach Land B, bei dem sich der neue Lebensmittelpunkt sofort eindeutig bestimmen lässt.
Vielleicht verbringst du einige Monate in Spanien, reist anschließend durch Frankreich und Italien und fährst später weiter Richtung Balkan. Gleichzeitig verdienst du online Geld, betreibst ein Unternehmen oder hast weiterhin Einkünfte und Verbindungen in anderen Ländern.
Dann reicht die Frage „Wo bin ich angemeldet?“ erst recht nicht aus.
Es muss betrachtet werden, welche steuerlichen Anknüpfungspunkte tatsächlich bestehen. Dabei können unter anderem Aufenthalte, Wohnmöglichkeiten, Einkunftsquellen und Unternehmensstrukturen eine Rolle spielen.
Das ist einer der Gründe, warum wir bei internationalen Strukturen wenig von pauschalen Internetrezepten halten.
Die berühmte 183-Tage-Regel löst nicht alles
Bei Gesprächen über Auswanderung fällt fast zwangsläufig irgendwann eine Zahl: 183 Tage.
Solche zeitlichen Grenzen können in verschiedenen steuerlichen Zusammenhängen relevant sein. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeingültige Regel ableiten nach dem Motto: „Bleibe einfach nirgendwo länger als 183 Tage und du bist nirgends steuerpflichtig.“
Gerade bei mehreren beteiligten Ländern muss die konkrete Situation betrachtet werden. Deshalb würden wir eine Reise- oder Auswanderungsstrategie niemals allein auf einer Tageszahl aufbauen.
Wegzug bedeutet auch nicht automatisch Wegzugssteuer
Auch beim Begriff Wegzugsbesteuerung lohnt sich eine genauere Einordnung. Das Wort klingt zunächst so, als würde jeder, der Deutschland verlässt, allein wegen seiner Auswanderung mit einer besonderen Steuer belastet.
So pauschal ist es nicht.
Die deutsche Wegzugsbesteuerung nach dem Außensteuergesetz betrifft bestimmte Unternehmensbeteiligungen und hat weitere Voraussetzungen. Ob sie für dich überhaupt relevant ist, sollte deshalb anhand deiner Beteiligungen und deiner persönlichen Situation geprüft werden.
Wenn du Unternehmen, Gesellschaftsanteile oder größere Vermögenspositionen besitzt, gehört dieses Thema allerdings unbedingt auf die Liste der Dinge, die du vor dem Wegzug klären solltest.
Eine Firma im Ausland löst die persönliche Steuerfrage nicht automatisch
Ein weiterer Bereich, in dem online schnell einfache Lösungen versprochen werden, sind ausländische Gesellschaften.
Wir selbst betreiben unsere geschäftlichen Aktivitäten inzwischen über eine US-LLC. Diese Entscheidung war Teil unserer eigenen Situation und wurde nicht getroffen, weil eine LLC grundsätzlich „die beste“ oder „steuerfreie“ Lösung für ortsunabhängig lebende Menschen wäre.
Der Sitz eines Unternehmens und die persönliche steuerliche Situation des Inhabers sind unterschiedliche Ebenen. Eine Gesellschaft in einem anderen Land beantwortet deshalb nicht automatisch die Frage, wo ihre Inhaber persönlich steuerpflichtig sind oder wo ein Unternehmen tatsächlich steuerlich relevant wird.
Unsere Erfahrungen mit dem Aufbau unserer Struktur und warum wir uns dafür professionelle Unterstützung geholt haben, findest du auf unserer Seite über die Gründung unserer US-LLC.
Wie wir selbst vorgegangen sind
Wir haben uns im Februar 2024 aus unserem bisherigen Wohnsitz abgemeldet und leben seitdem dauerhaft reisend im Camper.
Damit passte unser Leben irgendwann nicht mehr in das klassische Modell aus Wohnort, Arbeitgeber und einem einzigen Land. Gleichzeitig arbeiten wir online und betreiben eigene digitale Projekte.
Für uns war deshalb klar, dass wir die geschäftliche und steuerliche Struktur nicht anhand einiger Blogartikel oder Forenbeiträge aufbauen wollten.
Wir haben uns für unsere Situation professionell begleiten lassen und später unsere US-LLC gegründet. Das Ergebnis passt zu unserer Konstellation. Daraus lässt sich ausdrücklich nicht ableiten, dass dieselbe Struktur für jemand anderen richtig wäre.
Was wir heute früher machen würden
Steuern, Banking, Versicherungen und Unternehmensstruktur bereits durchdenken, bevor die Wohnsitzabmeldung erfolgt. Viele Entscheidungen lassen sich mit bestehender Adresse und geordneten Unterlagen erheblich einfacher vorbereiten als später von unterwegs.
Was wir vor einer Abmeldung vorbereiten würden
Wenn du Auswanderung oder ein Leben ohne festen Wohnsitz planst, würden wir diese Themen möglichst früh nebeneinanderlegen:
- persönliche steuerliche Ausgangssituation klären,
- mögliche steuerliche Folgen des Wegzugs prüfen,
- Zielland oder geplante Reiseroute berücksichtigen,
- bestehende Unternehmensbeteiligungen und Einkunftsquellen erfassen,
- Unternehmensstruktur überprüfen,
- Bankkonten und Karten vor der Abmeldung organisieren,
- Versicherungen auf die neue Lebenssituation abstimmen,
- Post, Korrespondenzadresse und wichtige Dokumente organisieren.
Damit wird aus dem diffusen Gedanken „Ich will auswandern“ eine Liste konkreter Fragen, die du mit den jeweils passenden Fachleuten klären kannst.
Eine sinnvolle Reihenfolge
Aus unserer Erfahrung würden wir die Themen nicht einzeln und unabhängig voneinander angehen. Sie greifen ineinander.
- Ausgangssituation erfassen: Wohnsitz, Einkünfte, Unternehmen, Vermögen und bestehende Verpflichtungen.
- Zukünftiges Lebensmodell beschreiben: klassisches Auswandern, dauerhaftes Reisen oder eine Mischung daraus.
- Steuerliche und rechtliche Folgen prüfen lassen.
- Banking und Versicherungen vorbereiten.
- Erst danach größere strukturelle Entscheidungen treffen – etwa Abmeldung oder Unternehmensgründung.
Die Reihenfolge muss nicht bei jedem exakt gleich aussehen. Der entscheidende Punkt ist, dass du die Konsequenzen kennst, bevor du unumkehrbare oder später nur mühsam korrigierbare Entscheidungen triffst.
Wie passt ein ortsunabhängiges Business dazu?
Mit der Abmeldung war für uns die Arbeit nicht plötzlich verschwunden. Im Gegenteil: Einkommen, Banking und Unternehmensstruktur mussten zu einem Leben passen, das sich nicht mehr dauerhaft in einem Land abspielt. Auf der nächsten Seite zeigen wir, warum wir schließlich eine US-LLC gegründet haben und wie wir das angegangen sind.
Unsere LLC & Business-Struktur →